try another color:
try another fontsize: 60% 70% 80% 90%
Schöne Zähne
Online-Ratgeber

Aktuelle Zahntrends

Teuere Zähne

Von Erich Brenner, Claudia Brosche, Renate Herzog, Susanne Kowatsch und Friedrich Ruhm

Zahntrends130.000 Österreicher lassen sich heuer ihre Zähne im Ausland richten, viele davon nicht beim berüchtigten ungarischen Zahnklempner, sondern im schicken Wellnesshotel. Die österreichischen Zahnärzte kontern mit Qualität: mit Sofortimplantaten, unsichtbaren Zahnregulierungen und Lasern statt Bohrern.
Das Thema Zähne lässt wohl kaum jemanden kalt, sind sie doch im wahrsten Sinn des Wortes in aller Munde. Die Trends im Geschäft rund um die Zähne:

  • Der Kampf gegen Karies bei Kindern scheint laut Mundhygiene-Studie des zuständigen Bundesministeriums zu greifen. Die Ziele der World Health Organisation wurden bis dato erreicht, 50 Prozent der Sechsjährigen sind kariesfrei. Bis 2020 sollen es 80 Prozent sein. Ein ambitioniertes Ziel, für das noch mehr als bisher unternommen werden muss, zudem von Karies befallene Milchzähne immer noch viel zu selten saniert werden.
  • Dafür tritt bei Erwachsenen Paradontitis immer häufiger auf.
  • Der Druck in der Welt des Business, aber auch im Privatleben zu ästhetisch schönen Zähnen wird ständig größer. Häufig haben Zahneingriffe keinen rein medizinischen Hintergrund mehr. Die Zähne müssen strahlend weiß glänzen.
  • Immer mehr Erwachsene lassen sich ihre Zähne regulieren, unterstützt durch unsichtbare Klammern, Schienen und Brackets.
  • Das Implantat setzt sich nach und nach stärker durch, wobei hier noch sehr viel Aufklärungsarbeit notwendig ist.
  • Das Internet wird für die Österreicher immer häufiger zum Zahnratgeber, was sie wo mit ihren Zähnen machen lassen können.
  • Mit den Kassen - was diese den Zahnärzten für die Behandlungen zahlen - ist kaum ein Zahnarzt zufrieden. „Schlichtweg veraltet", so die Beurteilung der Branche, wobei sich viele ein generelles Umdenken wünschen, nicht einfach nur mehr Geld für Plomben & Co fordern. Gerüchten zufolge ist dieser Katalog in Überarbeitung.
  • Last, but not least fahren die Österreicher immer noch in großer Zahl ins Ausland, um ihre Zähne kostengünstiger behandeln zu lassen. Neu ist allerdings, dass sie dabei gleich das „Full-Package-Verschönerungspaket" buchen. Nach dem Motto „Vater lässt sich die Zähne richten, Mutter lässt sich gleichzeitig liften, die Tochter das Fett absaugen und der Sohn die abstehenden Ohren anpassen".

Volkskrankheit Paradontitis

Der Zahnärztekammer-Vizepräsident OMR Dr. Erwin Senoner bringt es auf den Punkt: „Paradontitis eine Modekrankheit? Nein! Mögliche Auswirkungen wie Herztod oder eine Frühgeburt bei Schwangeren können nicht als Modekrankheit herhalten. Wenn Sie heute sämtliche Zahnfleischtaschen bei einem durchschnittlichen Paradontitis-patienten weg- und aufschneiden würden, würde man die Fläche einer Stirn bekommen. Und das ist eine infizierte Fläche im Körper."

Drei von vier Menschen leiden irgendwann einmal in ihrem Leben an einer Paradontitis. Dr. Christian Zinn-Zinnenburg, Facharzt für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde: „Bei einer Routineuntersuchung müsste jeder Arzt aufgrund der Röntgenbilder und der Vermessung des Zahnfleischs, also per Sondenvermessung, das Symptom einfache Entzündung, Paradontitis oder schwerstverlaufende Paradontalerkrankung erkennen und diagnostizieren. Auf dem Röntgenbild hat man den ersten Verdacht, dann misst man weiter."

Eine Zahnfleisch-Untersuchung mittels Sonde - der Stab wird ins Zahnfleisch geführtIn der Praxis kommt das aber nicht automatisch vor. Warum tun das nicht alle? Zinn-Zinnenburg kann nur eine Vermutung anstellen: „Die Paradontalbehandlung ist eine intensive, anstrengende Tätigkeit für den Arzt. Eine zielgerichtete Behandlung ist zeit-, kraft- und energieaufwendig- und damit vielleicht nicht bei jedem beliebt. Außerdem erfordert das auch eine entsprechende Vorbildung, die sehr umfangreich ist. Die Grundlagen der Mikrobiologie müssen verstanden, die Basistherapie der Prophylaxe muss beherrscht werden und drittens kommen die chirurgischen Regenerationstherapien hinzu." Wahrscheinlich gibt es deswegen auf diese Behandlung spezialisierte Ordinationen, die einen regen Zulauf haben, da normale Zahnärzte die Behandlung von Paradontitis gerne auslagern. Zinn-Zinnenburgs Fachgebietskollege Dr. Walter Wadsak ergänzt: „Die Häufigkeit der Erkrankungen des Zahnfleischs ist sehr hoch, sie liegt bei rund 70 Prozent. Oft handelt es sich dabei um die so genannte Altersparadontitis, also eine chronische Paradontitis. Eine Krankheit, die nicht diagnostiziert wird und über Jahrzehnte verläuft. So um das fünfte, sechste Lebensjahrzehnt eines Menschen ist eine Häufung der Fälle zu verzeichnen." Wadsak fordert daher: „Das Erkennen der Zahnfleischerkrankungen muss stark intensiviert werden! Das muss man machen. Ich bin auch überzeugt, das wird sicherlich auch in den Kassenvertrag kommen und der Arzt wird es entweder selbst machen oder jemand empfehlen. Und wenn Sie mich auf die Kosten einer Paradontal-Basisuntersuchung ansprechen: ich halte 15 Euro für diese Untersuchung für machbar."

Eine Behandlung eines „Regelpatienten", also der Durchschnittspatient, dauert zwei, drei Monate und inkludiert fünf bis sechs Arztbesuche. Zinn-Zinnenburg: „Und das ist das Problem mit den Kurgeschichten im Ausland, das funktioniert so nicht. Das geht nicht so schnell weg. Da muss man konsequent sein und die Behandlungen einhalten." Die Kosten liegen für solche Patienten laut seinen Ausführungen zwischen 1.000 und 3.500 Euro.

Unsichtbare Zahnspangen - immer mehr Erwachsene lassen sich die Zähne regulieren

DDr. Bärbl Reistenhofer ist Fachärztin für Zahn-, Mund und Kieferheilkunde und Spezialistin für unsichtbare Zahnregulierungen. Was bedeutet „unsichtbare Regulierung"?

Reistenhofer nimmt dazu zum einen den PC, zum anderen mehrere Regulierungen (siehe Fotos) zur Hand und erklärt: „Ich arbeite viel mit Invisalign. Das sind transparente Kunststoffschienen, die man über die Zähne legt."

DDr. Bärbl Reistenhofer
DDr. Bärbl Reistenhofer: „Invisalign sind transparente Kunststoffschienen über den Zähnen.' Vorteil: Man spricht technisch ganz normal - und traut sich auch den Mund aufzumachen

Der Vorteil dieser Technik ist, dass man damit nicht nur technisch ganz normal sprechen kann, sondern es sich auch traut, da das Gegenüber einem nicht mehr automatisch auf die Zähne sieht, da man einen Invisalign-Träger kaum bis gar nicht als solchen erkennt. Reistenhofer: „Ich habe sogar einen Opernsänger als Invisalign-Patienten, der Konzerte damit singt."

Voraussetzungen für so eine Behandlung sind „perfekt geputzte Zähne, kein Karies und keine Paradontitis", so Reistenhofer, die bei Auftreten von einem der Faktoren dies zuerst behandelt wissen will. Danach werden Abdrücke, Fotos und Röntgen angefertigt, dann kommt der PC zum Einsatz, auf dem Reistenhofer (in Zusammenarbeit mit einem Techniker von Invisalign, mit dem sie online in Kontakt ist) jede einzelne Schiene für den Behandlungsverlauf softwaremäßig anfertigt. Vom Entschluss des Patienten bis zum Eintreffen der fertigen Schienen vergehen dabei im Schnitt zwischen sechs und acht Wochen.

transparente Kunststoffschienen Reistenhofer: „Die Kosten für solch eine Behandlung, die zwischen ein bis drei Jahre dauert und bei der der Patient alle fünf bis sechs Wochen zu uns kommen muss und sich die für den Behandlungsfortschritt nächsten Schienen abholt, liegen in etwa gleich wie bei einer fixen Spange, also etwa zwischen 4.000 Euro bei geringfügiger Fehlstellung und 6.000 Euro." Der Patient nimmt die Schiene nur zum Zähneputzen und zum Essen ab, solange Milchzähne da sind, ist diese Behandlung übrigens nicht möglich.

Die Schienenlösung ist nicht die einzige unsichtbare. Es gibt auch transparente sowie innen anliegende Brackets (Lingualtherapie) mit oder ohne Gaumenimplantaten (zwecks Verankerung der Spange bzw. Brackets) sowie Mikroankerschrauben, bei denen man keine ganze Klammer braucht und die beispielsweise eine Lösung für vier nebeneinander befindliche Zähne darstellen. Kurz: In den letzten beiden Jahren haben sich mehrere unsichtbare Techniken der Zahnregulierung etabliert.

Das Bleichen der Zähne

Die Ästhetik fängt bei vielen bei der Farbe der Zähne an. Je weißer, desto besser, heißt die moderne Devise. Kein Wunder, wenn die Selbstbleichmittel aus dem Drogeriemarkt oder der Apotheke sehr nachgefragt sind. Eine raschere, professionelle und die Zahnoberfläche nicht schädigende Variante ist die Lasermethode, wie Univ.-Prof. DDr. Andreas Moritz aus seiner täglichen Universitäts- und Ordinationspraxis weiß:

„Eine Ober- und Unterkieferbehandlung dauert mit dem Laser einmalig eine halbe Stunde und bringt je nach Art der Verfärbungen eine Verbesserung um drei Helligkeitsstufen." Und die privat zu zahlenden Kosten für das „Bleaching"? Moritz: „Das Bleichen einzelner Zähne kostet bis zu 150 Euro pro Behandlung. Für das Bleichen aller Zähne auf beiden Kiefern zusammen muss man zwischen 500 und 1.000 Euro bezahlen." Achtung! Kronen oder andere unechte Zähne können nicht gebleicht werden!

Univ.-Prof. Dr. Andreas Moritz
Univ.-Prof. Dr. Andreas Moritz: „Der Laser kann schmerzfrei bohren und die Zähne können in einer einzigen Behandlung um drei Helligkeitsstufen gebleicht werden."

Das Bleichen der ZähneDoch mit dem Laser kann man auch schmerzfrei (Moritz: „Für den normalen Menschen ist das zu 99 Prozent schmerzfrei, aber es gibt unterschiedliche Schmerzgrenzen. Schreiben Sie daher besser fast schmerzfrei.") bohren. „Wir präparieren schon Kronen mit dem Laser. Nur das Entfernen von Metallen, etwa Amalganfüllungen, kann der Laser noch nicht, aber wir können sonst alles mit dem Laser machen, was man mit dem Bohrer machen kann, wie etwa Inlay-Präparationen oder für Kunststofffüllungen im Frontbereich. Auch bei Wurzel- und Behandlungen empfindlicher Zahnhälse (ab 40 Euro pro Behandlung) kann der Laser konventionelle Behandlungsmethoden verbessern." Unter der Hand geben viele Zahnärzte zu, dass sie auch gerne einen Laser in ihrer Ordination hätten, allerdings ist das immer noch eine Frage der Wirtschaftlichkeit, wie Moritz erklärt: „Die Frage für einen Zahnarzt lautet: Rechnet der hohe Kaufpreis die Schmerzfreiheit des Patienten ? Oder ist man da mit einer Spritze für den Patienten wirtschaftlich besser dran?" Die Präparationslaser fangen bei 30.000 Euro an, Laser zum Bleichen kriegt man schon um 7.000 Euro.

Was Sofortimplantat und Sofortbelastung bedeutet

Senoner: „Was mich stutzig macht ist, dass die Implantate via Werbung direkt von den großen internationalen Produzenten an die Konsumenten angeboten werden. Das ist eine neue Dimension. Neue Produkte werden sehr rasch und aggressiv auf den Markt gebracht. Wenn ich da allerdings höre, mit einem Sofortimplantat kann man nach einer Stunde bereits wieder in ein saftiges Steak beißen, dann kann ich nur sagen, ich habe hier Briefe von Leuten, die empfehlen, wir sollten diese Firma gemeinsam verklagen."

Senoner spricht eine Entwicklung bei den Implantaten an, die immer stärker wird und bei der es noch viel Aufklärungsarbeit bedarf. Prinzipiell gibt es drei Entwicklungen auf dem Gebiet der Implantologie, wie es die Experten der Implantatakademie Univ.-Prod. DDr. Robert Haas, Ass.-Prof. Dr. Rudolf Fürhauser und Univ.-Prof. Dr. Georg Mailath-Pokorny zusammenfassen: „Da ist zum einen die stark verbesserte Diagnostik. Hier ist der Computertomograph (CT) immer häufiger absolut essenziell. Die digitale Volumentomographie, also das strahlungsarme CT, ist quasi in aller Munde und wird innerhalb der nächsten fünf Jahre in den Implantologie-Ordinationen Einzug halten. Weiters lautet der Trend sofort zu extrahieren und zu implantieren, allerdings nur unter optimalen Bedingungen. Und drittens wird mittels einer Kunststoffschablone beim CT im Mund immer mehr navigiert, wie wir das nennen. Dadurch wird vieles, was früher interoperativ, also am doing, entschieden wurde, in die Phase vor der Operation verlegt, wodurch alles für den Patienten besser planbar wird."

Das Resultat dieser Entwicklung: Wenn der Patient über genügend Knochensubstanz und eine gute Gewebestruktur verfügt, ist die Implantation weniger belastend. Zudem verkürzt es die Operationsdauer sehr und es gibt durch gerinnungsprotektive Substanzen kaum noch eine Blutung. Für eine navigierte Geschichte muss man ungefähr eine Woche Vorlaufzeit rechnen. Der Vorteil dabei ist, dass man auch die Versorgung danach vorbereiten und in der Regel den Patienten schon nach einer Stunde wieder heimschicken kann. Fürhauser: „Das wird in Lokalanästhesie gemacht. Also Spritze, Aufsetzen der Schablone, Setzen der Implantate und in den meisten Fällen kommt eine Sofortversorgung, also ein provisorischer Zahn drauf."

SofortimplantatUnd da liegt der Knackpunkt: Sofortversorgung und Sofortbelastung - das sind zwei verschiedene paar Schuhe. Trotz oft anders lautender Werbungen soll man für die ersten zwei Monate das Beißen auf harte Dinge vermeiden. Fürhauser: „Zwar kann man damit normal essen, sollte aber nicht die besonders harte Rinde kauen, da das Implantat nach sechs Wochen erst von der Natur her ,knöchern eingebaut' wird." Wobei die Belastung sowieso vorhanden ist, sei es durch das weit verbreitete Knirschen in der Nacht oder weil der gesamte Unterkiefer plantiert wurde. Laut den Experten liegt die Implantat-Verlustrate bei ungefähr zwei Prozent.

Und die Kosten? Fürhauser: „Ein Einzelzahnimplantat kostet 1.090 Euro plus 1.300 Euro für die Krone drauf - ohne provisorische Versorgung, die kostet weitere 500 Euro pro Implantat. Eine fix verschraubte Brücke plus vier Implantaten kostet 14.500 Euro bei einem unbezahnten Kiefer mit Sofort-, Zwischen- und definitiver Versorgung. Das ist billiger als früher. Heute zahlt man 14.500 statt 20.000 Euro dafür."

Quelle: Gewinn 06/07